Gott Shiva

Zur Erläuterung des Hinduismus hier eine kurze Geschichte:

„Ein Fischer an der Küste Südindiens half einem Dschin. Zum Dank bietet der Dschin dem Fischer die Erfüllung eines Wunsches an. Der Fischer überlegt und sagt: „Bitte baue mir doch eine Brücke nach Sri Lanka.“. Der Dschin sagt: „Diese Brücke zu bauen ist unmöglich. Hast du nicht einen anderen Wunsch?“ Der Fischer überlegt wieder und sagt dann: „Doch, ich habe noch einen Wunsch. Was ich schon immer wissen wollte – Bitte erkläre mir den Hinduismus!“ Der Dschin: „O.k. Welche Farbe soll deine Brücke haben?“

Der Hinduismus ist die älteste Religion dieser Erde.

Ich habe gehört, das es für die Hindus über 30.000 Götter und Göttinnen geben soll, denn auch alle Pflanzen und Tiere sind Gottheiten. Daran kann man erkennen, wie lebensnah diese Religion ist. Für mich persönlich bezeichnen die Gottheiten Aspekte der Natur, natürliche Prinzipien. Diese verschiedenen Aspekte der Gottheiten kann jeder Mensch in sich verwirklichen. Es gibt den göttlichen Vater in seinen verschiedenen Formen und die göttliche Mutter in ebenso vielen Formen. Diese göttlichen Paare haben auch Kinder. Bekannt ist z. B. Ganesha, der Sohn von Shiva und Parvati, der die Energie des Anfangs in sich trägt und zuständig ist für die Beseitigung aller Hindernisse. Natürlich gibt es im Hinduismus auch viele mythische Erzählungen und große religiöse Schriften, wie das Mahabharata, in welchem der Text der Bhagavadgita enthalten ist. Ein anderer wichtiger Epos ist das Ramayana, die Geschichte des legendären Königs und Gottes Rama.

Natürlich könnte ich viel über den Hinduismus schreiben, was man überall leicht nachlesen kann. Deshalb möchte ich mich in meinen Ausführungen darauf beschränken, Ihnen hier die hinduistischen Gottheiten so weit nahe zu bringen, wie mein Verständnis reicht.

Göttinnen und Götter

Brahma - der Erschaffer

Jedes Lebewesen im Universum ist ursprünglich ein Aspekt von Brahma. Ein Tag in Brahmas Leben ist ein Kalpa, eine Evolutionsspanne von 4 Billionen Jahren. Die vedische Literatur beschreibt Brahma als Schöpfer von Soma + Surya (Sonne und Mond), er gab ihnen den Platz im Himmel. Er bringt das Feuer, den Wind und das Wasser.

Es gibt einen Tempel für Brahma in Puschkar / Rajasthan. Das Brahman („Die Weltseele“) ist in seinem Wesen identisch mit Atman, dem inneren Kern des Menschen. Brahma ist mit Hamsa, der weißen Wildgans verbunden, die die unendlich und reine Freiheit repräsentiert.

Er hat vier Köpfe - Symbol für die vier Himmelsrichtungen, Symbol, dass Gott in alle Richtungen schaut. Die 4 Gesichter stellen auch das geheime Wissen der 4 Veden dar (Rig, Yajur, Sama und Atharva). Brahma hat auch 4 Arme. In der oberen linken Hand hält er die Veden, in der rechten oberen Hand eine Lotusblüte als Symbol für die Schöpfungskraft, die göttliche Realität, die Essenz aller Dinge und Geschöpfe im Universum. Brahma sitzt oder steht im Lotus In der rechten unteren Hand hält er eine Mala. Insbesondere ist Brahma Schutzherr der Mantra-Rezitation, der Veda-Rezitation und der Meditation. In der linken unteren Hand trägt er die Bettelschale den Kamandalu, der auch für Frieden und meditatives Schweigen steht. Der Schöpfer als Bettler – als Symbol dafür, das alles vergänglich ist? Er trägt keine Waffe.

Brahma ging in tiefe Meditation. Und in der Meditation schuf er diese manifeste Welt. Die Welt ist letztlich eine Manifestation von Brahmas Gedanken - die Welt, ein Traum Gottes.  Brahma symbolisiert den universellen Geist und auch den Geist und Intellekt des Menschen. Er wird von Verehrern de Wissens geachtet – Studenten, Lehrern, Wissenschaftlern.

Saraswati, „die Fließende“

Saraswati ist die Ehefrau Brahmas, die Göttin des Lernens, der Sprache, der Wissenschaften, der Künste, der Dichtung, der Literatur, der Schrift, der Weisheit, des Tanzes, des Gesanges und der Musik. Sie repräsentiert einen immer fließenden Strom göttlicher Gnade. Sie steht auch für die menschlichen Fähigkeiten zu denken und zu unterscheiden. Als Saraswati und Brahma sich umarmten, erschufen sie die Welt. Saraswati ist die Mutter der Veden, die Erfinderin der Devanagari Schriften. Sarasvati wird oft inmitten eines Sees dargestellt, dem Urwasser, das unter anderem als Symbol für den Beginn der Schöpfung gedeutet wird. In ihrem weißen Sari (Reinheit), auf einem weißen Lotus sitzend hält sie in ihren 4 Armen eine Vina (uraltes, noch heute gespieltes Saiteninstrument), die Veden und eine Mala. Sie soll sich aus der vedischen Sprachgöttin Vac ( Wort ) entwickelt haben. Das Wort, der Klang, die Mantras haben Schöpfungskraft.

Der wichtigste Feiertag der Göttin, Vasant Panchami, auch Sarasvati  Puja genannt, findet im Frühjahr statt. Während des zehntägigen Navaratri-Festivals ( Fest der göttlichen Mutter im Herbst ) verehren die Menschen Saraswati am letzten Tag. Sie legen dann Bücher vor ihr Bild, um ihre Gnade und ihren Segen zu erhalten. Das Tier, mit welchem sie verbunden ist, ist der Schwan oder der Pfau.

Vishnu - der Erhalter

Vishnu ist der Herr des Schutzes und der Erhaltung. Er steht für Barmherzigkeit und Güte. Seine Ehefrau ist Lakshmi, die Göttin des Wohlstandes. Vishnu und Lakshmi helfen den Menschen, in Brahmas Lebensrad zu überleben. In seinen 4 Händen trägt er eine Muschel (shankha), eine Keule (gada), eine Feuerrad (surshan chakra) und eine Lotusblüte. Er hat einen blauen Körper und trägt gelbe Kleider. Er ruht sich auf einer tausendköpfigen Schlange aus (Ananta oder Shesh Naag). Die Muschel symbolisiert den Kosmischen Klang und damit die gesamte Energie des Universums. Wenn er in die Muschel bläst, erinnert er seine Anhänger, ihr Leben mit Freundlichkeit und Mitgefühl für alle Lebewesen zu führen. Das Rad ist eine Waffe, seine Anhänger vor den Dämonen zu schützen und das Böse zu vernichten. Die Keule bedeutet Energie, die er in sich trägt. Er schafft ein Gleichgewicht zwischen Schöpfung (Muschelhorn, Lotosknospe) und Zerstörung (Diskus und Keule), zwischen Brahma und Shiva. Die vier Hände stellen auch Dharma, Artha, Kama und Moksha dar.

Die 1000 Köpfe der Schlange sollen die Unzählbaren Wünsche und Leidenschaften eines Menschen darstellen. (Sie wird aber auch als die Weltenschlange Ananta gesehen). So wie eine Schlange mit ihrem Gift töten kann, kann ein unkontrollierter Geist die Welt mit seinem Gift zerstören. Vishnu kontrolliert alle Wünsche. Wenn ein Vishnu-Anhänger seine Wünsche kontrolliert, erfüllt Vishnu ihm seinen wichtigsten Wunsch und hilft ihm auf seinem Weg.

Blau bedeutet Unendlichkeit. Der blaue Körper bedeutet, das Vsihnu infinite Attribute trägt. Die gelbe Farbe wird assoziiert mit der erdigen Existenz und die gelbe Farbe der Kleider heißt, dass er selbst auf der Erde inkarniert, um Rechtschaffenheit zu erhalten und die Dämonen zu zerstören.

Die 2 Ohrringe symbolisieren die duale Natur der Schöpfung. Vishnu ist der einzige Gott des Trimurti, der wiedergeboren wird, wann immer es eine Krise auf der Erde gibt. Die Bhagavata sagt, dass es 22 Avataras von Vishnu gibt. 10 Avatare sind bekannt. Der 7. Avatar (Rama) und 8. (Krishna) sind bekannt als große Helden und Götter.

Die Ersten 4 inkarnierten im Krita Yuga und repräsentieren die Evolution vom Fisch-Stadium zum Menschen. Diese Avatare sind
- Matsya (Fisch)
- Kurma (Schildkröte),
- Varaha (Eber),
- Narasimha (Mensch-Löwe).

Die 5.,6. und 7. Inkarnation im Treta Yuga sind:
- Vamana - Der Zwerg,
- Parashurama - Rama mit dem Pflug und
- Rama

Die 8. Inkarnation im Dwapara Yuga ist Krishna, der 9. Avatar im Kali Yuga ist Buddha und die 10. Inkarnation, von der geglaubt wird, das sie am Ende des Kali Yuga erscheint, wird Kalki sein.

Wann immer Vishnu sich entscheidet zur Erde zu kommen, heiratet er Lakshmi. Sie heiraten auf der Erde, wie auch im Himmel ( Rama – Sita, Krishna-Radha oder Rukmini). Der vollkommene Herrscher Rama gilt als einer der Begründer Indiens – Ramayana Epos. Krishna ist im Mahabharata-Epos (die Bhagavat-Gita ist darin enthalten) der Ratgeber Arjunas im Kampf der Pandavas gegen die Kauravas. Krishnas Thema ist die Liebe und Hingabe an Gott und deshalb wird er auch gern als kleines, vertrauensseeliges, allwissendes Kind dargestellt.

Lakshmi

ist die Göttin des Glücks, der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Wohlstandes, der Gesundheit und der Schönheit, nicht nur Spenderin von Reichtum, sondern auch von geistigem Wohlbefinden, von Harmonie, von Fülle und Überfluss und Beschützerin der Pflanzen. Sie ist die Shakti, die erhaltende Kraft Vishnus  und dessen Gemahlin. Sie gibt wie eine Mutter alles, was die Lebewesen auf der Erde benötigen. Lakshmi  ist verbunden mit dem weißen Elefanten.

Von Lakshmi heißt es, dass sie nie lange an einem Ort verweilt und sich nicht halten lässt. Will man sie mit Gewalt besitzen und festhalten,so verlässt sie den Übeltäter sofort. Mit "goldener Hand" segnet sie alle Anhänger mit innerem und äußerem Reichtum. Lakshmi hat ihren Sitz auf einer Lotusblüte, was bedeutet, dass sie in der Höchsten Realität lebt. Sie verfügt über vier Hände, zwei davon halten Lotusblüten. Sie erinnert den Menschen an sein letztendliches Ziel. Sie wurde in der indischen Schöpfungsgeschichte aus dem Milchozean geboren. Der Milchozean stellt den reinen Geist eines Suchenden dar

Maha Lakshmi ist auch die große Illusion, die Illusion von Reichtum und Gesundheit, die so schnell wieder verschwinden können. Lakshmi hat auch eine Schwester: Chamundeshwari. Wer sie anbetet, wird bleibend bekommen, was er wirklich benötigt, sie ist dauerhafter. Freitag ist der Tag von Lakshmi. An diesem Tag ist es gut, Geldgeschäfte zu erledigen oder einkaufen zu gehen, Rechnungen zu zahlen oder einzufordern und Lakshmi zu danken. Am Freitag ist Lord Venkateshwara weiblich, also Lakshmi. Maha Lakshmi ist auch im Sandelholz. Auch durch das ansammeln von Wissen kannst du dich mit Lakshmi verbinden.

In den „Mantras der Fünf Elemente“ von Sri Kaleshwar gelehrt, ist das 3. Erdmantra ein Lakshmi Mantra. Dieses kannst du nutzen, um Wohlstand in dein Leben zu ziehen. Du kannst zu Haus auch einen Lakshmi Altar errichten mit ihrem Bild und ihren Attributen.
Wenn der Nordost-Bereich in deinem Haus frei und stark ist, ist das gut für Reichtum und Gesundheit. Das bedeutet z. Bsp., eine räumliche Erweiterung im NO, tiefliegendes Wasser, abfallendes Gelände, Eingänge und freies Land in NO. Eine Küche im NO „verbrennt“ das Geld hingegen wieder.

Shiva - der Zerstörer  (...der Illusionen, der transformiert und befreit)

Shiva wird dargestellt als der kosmische Tänzer und große Asket. Sein Symbol ist der Shiva-Lingam, er lebt im Berg Kailash, trägt ein Tigerfell und meditiert das ganze Jahr. Er hat 1008 Namen, z.B. Mahadeva (der große Gott), Mahesh, Rudra, Neelkantha (der blau-halsige) und Ishwar.  Er heißt auch Mahayogi, der große Asket. In den Veden als Rudra benannt, ist er der Gott der Lieder und der Heiler von Krankheiten. Mit seiner Frau Parvati hat er die Söhne Ganesha und Kartikeya/Murugan.

Die Aufgaben von Shiva sind zahlreich, er kann nicht in einer Form symbolisiert werden. Deshalb variieren die Vorstellungen von ihm. Er wird als eine ruhige, meditierende Gottheit dargestellt, den Körper mit Asche bedeckt. Das symbolisiert den transzendentalen Aspekt – alle Dinge werden zu Asche, wenn sie verbrannt werden. Asche symbolisiert das physische Universum. Die Asche auf seinem Körper bedeutet, das Shiva der Ursprung des Universums ist, aber er transzendiert die physische Form und ist nicht daran angehaftet. Der Meister des Yoga. Er trägt die Schlange Vasuki um den Hals und hält Vasukis Gift in seinem Hals. Die Schlange ist 3 x um seinen Hals gewickelt, was Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft anzeigen soll.

Die Rudraksha gehört zu Shiva. Aus dieser Nuss des Ganiterbaumes werden viele Malas (Gebetsketten) hergestellt. Aus Wolf-Diter Storls Buch „Shiva“: „Rudraksha-Beeren bedeuten ausgereiftes Karma, Schicksalssamen, die man vertrocknen lässt und nicht wieder aussät.“ - so wie die inneren Dämonen des Hasses, der Gier, die man besiegt hat und nicht wieder verwenden muss. Seine Ohrringe deuten darauf hin, dass er auch als halb Mann, halb Frau dargestellt werden kann. Der Mond heißt, er hat die Kontrolle über die Zeit.

Er ist auch bekannt als Pashupati „Herr der Tiere“. Shiva sitzt auf einem Tigerfell, als Symbol für seine kontrollierte Kraft der Meditation. Eine Hand ist erhoben im abhaya-mudra, das heißt die Geste der Zuversicht und Sicherheit, eine Handhaltung, welche Furcht abwehrt und dem Anbetenden göttlichen Schutz und Glückseligkeit zuteilwerden lässt.

Die zwei Augen Shivas symbolisieren die Sonne und den Mond; sein drittes Auge versinnbildlicht Feuer. Dieses „Feuerauge“ verbrennt alle Illusionen, Anhaftungen und Dämonen und führt zu absoluter innerer Erkenntniss. Es ist Gurustan (Ort des Gurus), Shaktistan (Ort der Shakti), Brahamnitra (Schöpfungsauge) und spirituelles Zentrum. Wenn du Asche auf das 3. Auge tust, verbrennt es die Illusionen, die dich gefangen halten. Die heilige Ganga, die in seinen Haaren fließt, bedeutet, das Shiva Sünde zerstört, Ignoranz nimmt, Wissen schafft und Reinheit und Frieden für seine Anhänger bringt.

In einer Hand hält er die Trishul, den Dreizack. Die 3 Zacken repräsentieren die drei Eigenschaften (Gunas): sattvas (rein, klar), rajas (aktiv) und tamas (dumpf, träge und unbewegt); die drei Schöpfungsphasen: Erschaffung, Erhaltung, Zerstörung; sowie die drei Zustände: jagrat (Wachsein), swapna (Traumphase) und sushupti (Tiefschlaf). In der anderen Hand hält er Damaru, eine kleine Trommel, die Aktivität kreiert. Sie erzeugt Schwingungen, lässt alles sich bewegen und enstehen. Die Trommel in seinen Händen bedeutet, dass die gesamte Schöpfung, aus seinem göttlichen Willen entstanden ist.

Shiva, der auf dem Friedhof sitzt bedeutet, dass er den Tod in der physischen Welt kontrolliert. Seit Geburt und Tod ein Zyklus sind, bedeutet, das Eine zu kontrollieren auch, das Andere zu kontrollieren. Hier am Ort des Todes kann ihn auch die Göttliche Mutter, das Leben mit seinen Illusionen nicht erreichen.

Shivas 1. Frau Sati wurde von ihrem Vater, einem König, an einen anderen Mann verheiratet. Sati ertrug das nicht und sprang ins Opferfeuer und verbrannte. Daraus hatte sich der grausame Brauch der Witwenverbrennung in Indien entwickelt. Shiva nahm ihre Asche und drückte seinen tiefen Schmerz und Trauer mit einem gewaltvollen Tanz aus „Tandava“. Er erschreckte die Schöpfung als er 7 x um die Welt tanzte. Wenn nichts Shiva befrieden würde, so befürchteten die Götter, könnte er die Erde zerstören. Sie entschieden, Sati zurück zu holen und sie wurde als Parvati wieder geboren. (Tochter der Berge) Shiva ging zurück zum Berg Kailash und begann seine tiefe Meditation. Er war so vertieft, dass er Parvati nicht bemerkte, als sie zu ihm kam. Er war immun für ihre Präsenz. Parvati tat alles, was sie konnte, um Shiva zu wecken. Am Ende bat sie Kama (den Liebesgott) ihr zu helfen. Er riet ihr, vor ihm zu tanzen. Als Parvati tanzte, schoss Kama einen Pfeil mit Blumen auf Shiva, was seine Vertiefung brach. Er öffnete die Augen und verliebte sich in Parvati. Sie bekam seine Shakti, seine Kraft.

Shiva ist der Schöpfer des Tanzes . Bei seinem kosmischen Tandava-Tanz hat er die Welt zerstört und neu erschaffen. Als Nataraja schlägt er mit der einen Hand mit der Trommel den Rhythmus der Erschaffung und in der Anderen hält er das Feuer der Zerstörung und verbindet so alle Gegensätze miteinander. Sein Tanz der Zerstörung heißt Raudra Tandava und beschließt den Zyklus von Anfang, Mitte und Ende. Sein Tanz der Freude heißt Ananda Tandava.

In Tamil Nadu gibt es einen Shiva Tempel in Chidambaram, der Einzige in Indien, der Shiva als Nataraja verehrt, den Herrn des Tanzes.
Er ist der Gott der Gnade und des Mitgefühls. Sein Reittier ist der Bulle „Nandi“. Die Kuh wird als die Lebensspenderin gesehen, Symbol der Sanftheit. Sie nährt mit ihrer Milch, ihr Dung nützt als Brennmaterial und Bestandteil von Medizin, wie auch ihr Urin. Tiere allgemein symbolisieren jüngere Schwestern und Brüder.

Der Shiva-Lingam ist Shiva. Die Abwesenheit eines Kopfes und von Gliedmaßen weist auf seinen formlosen Aspekt. Als Symbol repräsentiert der Linga das Absolute. Er symbolisiert die Form von Licht und Kraft. Ein Lingam ist eine Lichtsäule. Als göttlicher Funke, der durch das Nada Bindu (den Schöpfungspunkt) reist, symobilsiert er den Ort des Übergangs vom Ewigen zum Zeitlichen, vom Absoluten zu Bedingten, den Moment der Manifestation. Er wird auch oft mit einer Yoni (das göttlich Weibliche, die Schöpfung) dargestellt, in welcher der Linga ruht. Einen Lingam zu verehren heißt, den Moment der Schöpfung, den göttlichen Funken, das Licht zu verehren.

Sein Aspekt als "Ardhanarisvara" stellt Shiva halb als Mann und halb als Frau dar. Seine linke oder weibliche Seite repräsentiert Parvati, seine Gemahlin. Dies Bild symbolisiert die bipolare Natur der Welt, die Gleichheit von Mann und Frau, sowie die Vereinigung von Shiva-Shakti, die zur geistigen Erleuchtung führt.

Yoga – Vidya-Website: „Ishvara (ein Name Shivas) ist eins. Gott ist eins. Shiva und Vishnu sind ein und dasselbe Wesen. Krishna ist der Prema- Aspekt von Ishvara oder Gott. In Sankaranayanar Koil im Tirunelvely-Distrikt, Süd-Indien gibt es einen Tempel, in dem das Götterbild zur einen Hälfte als Shiva und zur anderen Hälfte als Vishnu dargestellt ist, als Shankarnarayana. Die tiefere Bedeutung davon ist, dass Shiva und Vishnu eins sind. Auch Sri Shankaracharya hat sehr deutlich gesagt, dass Shiva und Vishnu die eine alles-durchdringende Seele sind.“

Es gibt viele Geschichten, in denen erzählt wird, auf welche Weise Shiva und Vishnu mit ihren unterschiedlichen Aspekten zusammenarbeiten, um die Welt zu beschützen.

Das größte Fest zu Ehren Shivas ist der Neumond im Februar „Shivaratri“.

Sri Kaleshwar sagt zu dieser Nacht:

"Warum wird in ganz Indien das Shivaratri Fest so groß gefeiert, was ist die innere Bedeutung? Wörtlich übersetzt bedeutet Shivartri die „Nacht von Shiva“. Normalerweise befindet sich Shiva immer in einer Trance-Meditation, in der er über die Schöpfung wacht, sie beschützt und lenkt. Doch an diesem Tag erwacht Shiva aus seiner Meditation, um mit denjenigen zu verschmelzen, die ihr Herz wirklich für ihn öffnen. Er möchte mit ihnen verschmelzen, um sie kraftvoll anzuheben und sie noch stärker mit ihm zu verbinden.

Auch die Göttliche Mutter wartet zu dieser Zeit auf Shiva. Sie wartet, um sich mit ihm zu vereinigen. Wenn das geschieht, ist Sie nicht so sehr damit beschäftigt, Illusionen zu kreieren. Besonders in der Shiva ratri Zeit, diese 5 oder 6 Tage, kann die Göttliche Mutter nicht so leicht ihre Illusionen spielen. Das ist die Zeit, in der sich jede Seel mit Shiva vereinigen kann. Es geht darum, seine Energie in die eigene Seele hinein zu ziehen und von ihm Segnungen zu erhalten.

Nach unserer Reise durch die Illusion mit der Mutter ist es der Vater, der uns dort heraus holt. Er hilft uns durch seinen Schutz, die Natur der Illusionen zu sehen. Indem wir die hohe göttliche Shiva-Energie erhalten, können wir beginnen, die Illusionen der Göttlichen Mutter zu verstehen. Shiva ist Bhola Shankara. Das ist der Charakter der euch alles gibt, was ihr wollt, jeglichen Segen, den ihr in eurem Leben möchtet.“

Parvati / Durga / Kali

So vielfältig, wie Shiva in seinen Bedeutungen und Aspekten ist, so vielfältig ist auch seine Shakti, seine weibliche Entsprechung.

Sati wurde als Parvati (Tochter der Berge) wiedergeboren, Tochter von Himavan, Gott des Himalajas, und von Mena. Sie repräsentiert kosmische Energie und kann niemals von Shiva getrennt werden. Als Mutter des Universums ist Parvati die göttliche Gemahlin Shivas. Sie repräsentiert auch die ideale Hindu-frau aufgrund ihrer vollendeten Hingabe zu Shiva. Sie manifestiert sich in ihrer drastischen Form als Kali und Durga und in ihrer sanften Ausdrucksweise als Sati und Uma. Sie ist die Mutter von Ganesha und Karthikeya.

Wolf-Dieter-Storl: ...“Sie ist die Energie, die alles in Bewegung bringt, erhält und wieder auflöst. Shiva ist dabei nur der Beobachter, das Bewusstsein. Er ist Samadhi, die Einkehr, sie das sprudelnde Leben. Er ist das Selbst und sie ist das Sein. Er ist der ruhende Pol, den sie mit unzähligen Hüllen und Schleiern, einer schöner oder schrecklicher als der andere, umtanzt."

Da Shiva aber nur der stumme Zeuge ist, sie aber die Kraft selbst, flehen die Devi – und Shaktiverehrer ausschließlich die große Göttin an.“...“ Shivas Shaktis nehmen wie er selbst helle und dunkle, gütige und schreckliche Erscheinungen an. Zwischen der mütterlichen Parvati auf der einen Seite und der grauenerregenden Kali auf der anderen, tritt die edle Durga, „die Unnahbare“ hervor... Sie ist Kriegerin, wie die griechische Athene...Das Vamana Purana erzählt von Durgas größter Schlacht, in der sie den schwarzen Büffeldämonen, den König der Asuras...tötete. So mächtig war der Asura Mahisha, das keiner der Götter allein mit ihm fertig werden konnte. Auf einer Ratsversammlung konzentrierten alle anwesenden Götter ihren Zorn auf einen Punkt. Im Brennpunkt ihrer feurigen Blicke entstand eine Jungfrau, die hell wie tausend Sonnen strahlte.  Drei Augen hatte sie, dunkle Haare und 18 Arme...in jeder ihrer Hände hielt sie eine Waffe, die die Götter ihr gegeben hatten.

Von Shiva hat sie den Dreizack bekommen, von Vishnu die Wurfscheibe, von Brahma eine Gebetsschnur und einen Wassertopf, vom Meeresgott eine Schlange, vom Feuergott Agni eine Lanze, vom Windgott Vayu einen Bogen, vom Sonnengott Surya einen Köcher mit Pfeilen, vom gewittergott die Blitzkeule, vom Erdgott Kubera einen schweren Metallknüppel, vom Totengott Yama Schwert und Schild, vom Weltenbaumeister Vishvakarma eine Streitaxt und so ging es weiter.“

In Durga / Kali ist die Kraft aller Götter vereinigt und somit steht sie auch über allen Göttern. Wolf-Dieter Storl: „Mit einer hand hält sie den abgetrennten Kopf des düsteren Asura beim Schopf, in den anderen Händen trägt sie die Waffen der gesamten Götterschar. Ihr Gesichtsausdruck ist mild und friedlich, als ob sich überhaupt nichts ereignet hätte. Sie in sich gesammelt und zum Verlieben schön. Das Chaos scheint sich nur an der Peripherie abzuspielen.“

Die sich ständig wandelnden Formen des Dämons können als die verschiedenen Erscheinungsformen des Übels angesehen werden , als Verblendung, Egoismus und für geistigen Tod etwa. Durgas Waffen sind Inbegriff aller kosmischen und geistigen Kräfte. Ihr Reittier ist der Löwe und auch oft der Tiger als König der Tiere.

Kali (die Schwarze)

Wolf-Dieter Storl: „ Alle schwarzen Göttinnen sind Ausdruck der schwangeren, dunklen Urgründe des Seins, auch der dunklen Tiefen unseres eigenen Wesens. Keine ist jedoch so furchterregend wie die schwarze Kali, die schrecklichste Shakti Shivas, Kali Ma, die „schwarze Mutter“, ist blutgierig und grausam, wie ein menschenfressender Tiger, denn sie ist die Vergänglichkeit (Kala = Zeit), die gnadenlos alles verschlingt. In ihr vergeht alles Entstandene...Schließlich ist sie Tamas, das schwarze Nichts, aus dem alles kommt und in dem alles wieder versinkt. ..In Wirklichkeit ist sie die liebende Mutter, die dem dämonischen Wahn, das wir abgekapselte Egis seien, durch ihre Kraft (die Zeit) zerstört.“ Ihre Hände hält sie uns segnend (Abhaya Mudra) und erfüllend (Varada Mudra) hin.

Kali ist die Zerstörerin unserer inneren Dämonen, genau wie Durga. Die Trophäen hängen als Totenköpfe um ihren Hals. Als sie die Dämonen besiegte, wurde sie von Trinken des Blutes ganz berauscht, tanzte zornig ihren wilden Tanz, den Kopf des Dämons noch in ihrer Hand. Die Erde wurde von ihrem Stampfen in ihren Grundfesten erschüttert. Um Kali wieder zu beruhigen und sie davon abzuhalten, die Erde zu zerstören, legte sich Shiva ( als Verkörperung der Stille) unter ihre Füße. Als sie bemerkte, das sie im Begriff war, ihren Ehemann zu töten, wird sie wieder ruhig.

Ihr wildes, offenes Haar ist die Freiheit, sie als Umhüllende selbst wird vom Nichts umhüllt und nackt dargestellt. Als Göttin des Todes ist Kali also auch eine Göttin der Transformation, sie ist die Mutter, die das Leben gibt und sie ist es auch, die es wieder zurücknimmt. Ihr Reittier ist wie bei Durga der Löwe und der Tiger. Der Freitag ist der Tag der Göttlichen Mutter und damit auch der Tag von Parvati, Durga und Kali.

Ganesha - der Gott, der Hindernisse beseitigt

Ganesha beseitigt alle Hindernisse und wird deshalb bei Hochzeiten, Hauseinweihungen, Schulbeginn und in Tempeln, die anderen Gottheiten geweiht sind, immer zuerst angebetet. Er symbolisiert Weisheit und Wohlwollen und die Kunst des ausgewogenen Lebens. Ganesha wird in Indien in vielen Häusern frühmorgens als Erster verehrt mit Blumen, Feuer, frischer Sandelholzpaste. Er wird auch vor jedem spirituellen Prozess um Hilfe gebeten, den Erfolg zu unterstützen, vor jeder Reise und geschäftlichen Unternehmung, vor jedem Neubeginn angerufen.

Wolf-Dieter Storl: „Parvati will baden, aber sie wird ständig von Besuchern anbgehalten. Da fasst sie den Entschluss, einen mächtigen Torhüter zu erschaffen, der niemanden, aber auch niemanden über die Schwelle lässt. Da karttikeya gerade Dämonen jagt und Shiva unerreichbar tief in seinen Meditationen versunken ist, hat sie ohnehin Verlangen nach einem Gefährten, einem Söhnchen, mit dem sie sich auch sonst ihre Zeit vertreiben kann. Also schabt sie mit den Fingernägeln etwas Schmutz und Schorf von ihrer Haut, knetet die Masse zu einer hübschen, kleinen Figur, haucht ihr Leben ein und spricht: „Mein liebes Söhnchen, du bist der Hüter der Schwelle! Niemand darf herein, den ich nicht persönlich herein bitte!“

Nun kam Shiva nach Haus und wollte seine Frau sehen. Er wurde so erfolgreich am Betreten seines eigenen Hauses vom Hüter der Schwelle abgehalten, das er sehr wütend wurde und ihm im Kampf den Kopf abschlug. Als Parvati bemerkte, was geschehen war, wurde sie unglaublich wütend und war untröstlich. Shiva erkannte seinen Fehler und konnte den kleinen Sohn Parvatis wiederbeleben, aber er fand den Kopf nicht mehr. So schlug er den Kopf des 1. Lebewesens, das ihm über den Weg lief, einem Elefantenbullen, ab und setzte ihm dem kleinen Kind auf. Ein Elefantenkopf auf einem menschlichen Körper repräsentiert höchste Weisheit.

Er wird als zugleich als Ursache und Überwinder aller Widerstände gefeiert. Niemand kommt ungeläutert an ihm und seinen beiden Shaktis Riddhi (Wohlstand) und Siddhi (Erfolg) vorbei. Viele Seelen, die sich auf den Weg zu Shiva und Parvati, also zu Erlösung und Befreiung gemacht haben, werden von Erfolg und Wohlstand abgelenkt und aufgehalten, so dass sie ihr wahres Ziel vergessen. Die Schlinge, die Ganesha hält versinnbildlicht alle Versuchungen des Erfolges, in denen wir uns verfangen.

Eine andere Deutung: In einer Hand hält er eine Axt und in der anderen ein Seil. Die Axt symbolisiert die Zerstörung aller Wünsche und Bindungen. Mit dem Seil zieht Ganesha den Sucher aus seinen weltlichen Problemen und verbindet ihn mit ewiger Glückseligkeit. In der dritten Hand hält Ganesha eine Süßigkeit, die die Belohnung spiritueller Suche darstellt. In der vierten Hand hält er eine Lotusblume, die das höchste Ziel der menschlichen Evolution versinnbildlicht: Erleuchtung. Sein Reittier ist die Maus.

Karthikeya, auch Skanda, Murugan oder Subrahmanya ist sein Bruder. Er hat als Oberbefehlshaber des Götterheeres den Donnergott Indra verdrängt. Kartika ist nicht verheiratet, aber alle Devadasis (Tempeltänzerinnen) sind ihm geweiht. Er besiegt die schlimmsten Dämonen des Egos, des Zorns und der Feigheit. Ihm ist der Monat Karttika (Oktober – November) geweiht, wenn der Vollmond in die Nähe des Siebengestirns (Plejaden) fällt.

Hanuman

Hanuman ist der Sohn des Windgottes Vayu und gehört somit zum Element Luft und Geist.  Hanuman symbolisiert auch den menschlichen Geist, der durch tiefe Hingabe (Bhakti) in höhere Bewusstseinsebenen geführt werden kann. Es gibt ein Mantra, das zum Element Luftgehört und mit Hanuman verbunden ist. Hier wird der Geist beruhigt, die Wünsche werden kleiner, der Rezitierende kann Seelen in weiter Entfernung erreichen und Fernheilungen durchführen. Auch die  Hanuman Chalisa zu rezitieren, verbindet sehr mit seinen Fähigkeiten.

Hanuman steht für den kontrollierten Geist. Ein kontrollierter Geist lässt keine negativen Gedanken zu und schützt somit auch vor Negativität. Das gibt ihm viel Kraft und Glückseligkeit. Wer gar keine negativen Gedanken hat, kann sein Herz auch vollkommen öffnen. Er ist der höchste Gott um vor Negativität zu schützen und sie zu transformieren. Er ist Sinnbild absoluter Hingabe und göttlicher Liebe.

Seine große Fähigkeit zu Liebe, Hingabe und geistiger Kraft wird im Ramayana Epos beschrieben. Hanuman war der erwählte Bote, Krieger und Diener von Rama. Er ist der Anhänger und Verehrer von Rama. Rama war Sein Ein-und-Alles. Er lebte, um Rama zu dienen. Er lebte in Rama, Er lebte für Rama. In seinem Herzen trägt er immer das Bild von Rama und Sita.